Asaf Avidan

Asaf Avidan (Presspic 2020 Guerrilla Music)

Asaf Avidan, israelischer Folk-Rock-Musiker und Sänger mit außergewöhnlicher und unverkennbarer Stimme, veröffentlicht 2020 sein neues Album "Anagnorisis".

"Anagnorisis" ist der Titel des 2020 erscheinenden Album des israelischen Musikers und zum Titeltrack hat niemand Geringeres als Wim Wenders die Regie zum Clip übernommen.

Video: Asaf Avidan - Anagnorisis

Nachdem Asaf Avidan 10 Jahre lang fast nonstop auf Tour war, brauchte er dringend eine Auszeit. Er hatte genug von der ständigen Rastlosigkeit. Er brauchte Ruhe und Abgeschiedenheit, um über sein Leben, seine Karriere und seine Kunst nachzudenken. Außerdem klopfte laut sein 40. Geburtstag an die Tür. Ein Jahr Pause sollte es sein. Er wollte auf eine neue Art leben und Songs schreiben.

„Ich wollte mir Zeit nehmen, mich so richtig mit mir selbst zu beschäftigen, mich in mich selbst zu vertiefen, nach neuen Wegen zu suchen, um zu verstehen und einzufangen, wer ich bin. Doch je tiefer ich grub, desto nebliger wurden die Gedanken. Der Nebel schien im ständigen Wandel, mutierte… jedes Mal, wenn ich ihn ergriff und versuchte in Worte zu fassen, veränderte er sich bereits und nahm eine neue Form an. Als Künstler war das verheerend…nicht in der Lage zu sein, etwas genau "einzufangen". Als Mensch war es herausfordernd, aber berauschend. All die Gefühle, Geschichten und tiefen Archetypen in mir waren zu einer komplexen, abstrakten, sich ständig verändernden Wolke verwoben. Sie also wirklich einfangen zu wollen, wäre letztendlich zum Scheitern verurteilt. Dennoch... ungeachtet der Unmöglichkeit... hatte ich das Bedürfnis, zu versuchen, diese Landschaft zumindest zu porträtieren. Das ist „Anagnorisis“." - Asaf Avidan

Den Ort, den Asaf Avidan für seinen Rückzug wählte, war ein altes Bauernhaus in Italien, umgewandelt in ein Aufnahmestudio, eher noch: in eine Art Rückzugsoase für den Musiker. Es scheint, als ob die Gegenwart der Natur und die Stille um ihn herum in seine Kunst eindringen. Die Dinge beginnen langsamer heran zu reifen. Sie werden angefasst, niedergelegt, weggeworfen und komplett neu gedacht. Monate vergehen und die neuen Songs wachsen sehr langsam. Um alle neuen Ideen und Songs dann letztendlich in ihrer finalen Form aufzunehmen, ruft Asaf seinen alten Produzenten- und Musikerfreund Tamir Muskat (Produzent von „Different Pulses“ und „Gold Shadow“) auf den Plan. Asaf fliegt nach Tel Aviv um Tamir zu treffen und die beiden beginnen gemeinsam mit den Aufnahmen.

Doch so idyllisch und inspirierend sein neues Heim auch sein mochte, schien der Ort bald zu einem Hindernis bei der Fertigstellung des Albums zu werden: Die Corona-Krise kommt und trifft Asafs neue Wahlheimat schwer. Es gibt Ein-und Ausreisestopps und sie müssen die Aufnahmen unterbrechen. Asaf geht zurück nach Italien in den Lockdown. Tamir bleibt in Tel Aviv. Anstatt aber alles hinzuwerfen, haben sie sich schnell mit der neuen Situation arrangiert. Anders als erwartet, funktioniert diese Art Songs zu schreiben und aufzunehmen, ziemlich gut. Sie kommt Asaf sogar ziemlich gelegen. Der pulsierende Lärm von Tel Aviv und die ruhige Stille des italienischen Landlebens bringen den zusätzlichen Clash, der auf das Thema des Albums einspielt. Ein Album, so facettenreich wie die menschliche Existenz.

Biografie Asaf Avidan

1980 wird Asaf Avidan in Jerusalem geboren und wächst als Sohn eines israelischen Diplomaten unter anderem in Jamaika auf. Die große Plattensammlung seiner Eltern fasziniert ihn und so entdeckt er in frühen Jahren die Musik von Bob Dylan, Leonard Cohen, Jimi Hendrix oder The Doors.

Als Teenie besucht er ein Metallica-Konzert und will nun Schlagzeuger werden. Die Eltern finden das jedoch für eine Wohnung zu groß und zu laut und er bekommt eine E-Gitarre. Doch beruflich führt ihn der Weg zunächst zum Film und der Animation. Zudem arbeitet er dreizehn Jahre lang als Synchronsprecher für die israelische TV-Serienversion der "Schlümpfe".

Vielleicht trainierte er dort auch seine außergewöhnliche Stimme, die wegen ihrer hohen Tonlage und Eigenwilligkeit oft mit Janis Joplin oder Robert Plant verglichen wird.

2006 veröffentlichte er dann doch ein musikalisches Werk und zwar seine Debüt-EP "Now That You're Leaving". Daraufhin spielte er in der Band  Asaf Avidan & The Mojos mit, der er bis zum Jahr 2011 angehört. In Israel ist die Band sehr berühmt, sie füllen große Hallen und die Alben erreichen Goldstatus. 

Avidan war zudem als Support vieler bekannter Musiker zu hören, so zum Beispiel für Morrissey in Tel Aviv im Jahr 2008, für Bob Dylan im Ramat-Gan-Stadion 2011 oder bei einem The-Who-Tribute- und Benefizkonzert in der Carnegie Hall im Jahr 2010.

Video: Asaf Avidan - Different Pulses

2012 erscheint sein Solo-Debüt "Different Pulses" und als ebenfalls 2012 der deutsche House-DJ Wankelmut sich seines Tracks "Reckoning Song" annimmt, wird der Remix zum weltweiten Hit - In Deutschland hielt sich das Lied sieben Wochen auf Platz Eins der Single-Charts. 

Wankelmut fragte Avidan zunächst via Facebook, ob ihm seine Bearbeitung gefalle, dieser antwortet darauf eher zurückhaltend: "Klingt ganz hübsch, entspricht aber eher nicht meinem Stil." Inzwischen erkennt er jedoch an, dass der Remix seine Karriere massiv beflügelte, obwohl er musikalisch damit relativ unglücklich sei. Auch textlich tue er sich mit dem Remix schwer, da Wanhelmut immer wieder nur zwei gleiche Zeilen wiederhole und er sich sehr viele Gedanken um die Lyrics mache. 

Der Track ist jedoch inzwischen so bekannt, dass es mehrere Coverversionen davon gibt, auch kuriose wie von SpongeBob Schwammkopf als "Komm schon, Gary" oder von Les Derhosn, einer deutschen Kabarettmusikgruppe mit dem Titel "Scheiße Baby, mia wean oid":

Video: Asaf Avidan & The Mojos - One Day / Reckoning Song (Wankelmut Remix)

2020 wird vielleicht Avidans Jahr, nicht nur wegen des neuen Albums, sondern auch weil er einem großen Publikum durch den Netflix-Hit "Dark" bekannt wurde und in der Serie sein ebenso mysteriöser Track "The Labyrinth Song" zu hören war:

Video: Asaf Avidan - The Labyrinth Song

10 Fragen an Asaf Avidan:

1. Was ist das erste Lied, an das Du dich erinnerst? Woran erinnerst Du dich?

Das erste, das mir lebhaft in den Sinn kommt, ist "The Trial" von Pink Floyd. Ich war ungefähr fünf oder sechs Jahre alt und saß mit großen Kopfhörern auf dem Boden und starrte auf die Illustrationen des Vinyls von "The Wall". Ich war fasziniert von der immersiven theaterhaften Erfahrung – die mich zugleich ängstigte und verzauberte.

2. Was war die erste Platte, die Du selbst gekauft hast? Wie war das Gefühl dabei?

Das war Metallicas "schwarzes Album". Ich war ungefähr 12 und es kam gerade heraus und es war mein Wechsel zur Rockmusik, der meine Teenagerjahre bestimmen würde. Das Gefühl, mit meinem eigenen Geld in ein Geschäft zu gehen und dieses magische Objekt in der Hand zu halten, war so kraftvoll. Wenn ich ein Stück dieser Musik besitze, fühle ich mich irgendwie als ein Teil davon, ein Teil von etwas Größerem und damit weniger allein.

3. Was war dein erstes Konzert als Besucher? Wie war es?

Das war wieder Metallica. Sie kamen nach Israel, als ich 13 Jahre alt war, und aus irgendeinem Grund erlaubte mir meine Mutter, alleine mit meinen Freunden zu einem Metal-Konzert zu gehen. Wir sind von diesem Konzert zurückgekommen und haben entschieden, dass wir auch eine Band haben müssen.

4. Wie bist du zur Musik gekommen? Gab es ein besonderes Erlebnis?

Nach diesem Konzert bat ich meine Mutter um ein Schlagzeug und sie besorgte mir eine Gitarre. Ich nahm eine Unterrichtsstunde und hörte auf. Die Gitarre wartete viele Jahre, während ich Kino und Animation studierte. Erst als eine zerbrochene Beziehung im Alter von 26 Jahren meine Welt auseinanderriss, nahm ich sie wieder in die Hand und brachte mir selbst einige Akkorde bei. Ich musste all diese Emotionen, die in mir waren und mich belasteten, heraus auslassen. Und ich brauchte sofort etwas, um den Schmerz und die Verzweiflung herauszulassen. Lieder schreiben und singen war dieses etwas.

5. Warum machst Du Musik?

Es ist nur ein Werkzeug, um meine ehrlichsten Gefühle auf aufrichtige Weise auszudrücken. Es ist die Darstellung dieses Gefühlsnebels in den Gedanken durch irgendeine Form von Sprache. Ich finde, dass Musik als Sprache reicher ist als unsere täglichen Gespräche. Sie kann endlose Nuancen und Farben darstellen, die die Sprache einfach nicht enthält.

6. Wie machst Du Musik? Wie funktioniert der Prozess normalerweise?

Ich schreibe niemals Texte und Musik getrennt. Ich gehe zum Klavier oder nehme eine Gitarre… spiele herum und fange an zu summen. Es geht darum, mein Unterbewusstsein den Beginn des Prozesses leiten zu lassen. Ich lasse die Stimmen und Worte, die in den dunklen Ecken des Herzens herumtaumeln, herauskommen und gehört werden. Nach diesem anfänglichen Prozess des "Bewussteinstroms" folgt der zweite Teil, in dem einige der herausgekommenen Dinge betrachtet werden und ich versuche, sie zu verstehen und ihnen eine Form zu geben.

7. Welche Künstler haben Dich am meisten geprägt? Warum?

Dylan und Cohen sind für mich immer die größten Leuchttürme. Sie sind unglaubliche Dichter, großartige Melodiekomponisten und großartige Interpreten. Sie haben eine tiefe Ernsthaftigkeit, gemischt mit einer zynischen kritischen Selbstreflexion. Es gibt bei ihnen einen nostalgischen Respekt vor der Vergangenheit, gemischt mit der Entschlossenheit zur Einzigartigkeit.

8. Was möchtest Du mit deiner Musik erreichen?

Wie gesagt - für mich ist es ein persönliches Selbstbeobachtungswerkzeug, mit dem ich mich und die Welt verstehen kann. Aber als sich in letzter Zeit die politischen und sozialen Landschaften um mich herum verändert haben, habe ich auch das Gefühl, dass das, was ich tue, fast politisch ist. Ich versuche, die Erfahrung des Lebens als etwas Komplexes und Reiches darzustellen - eine Mischung aus Freude und Hoffnung zusammen mit Angst und Verzweiflung. In der heutigen Welt, in der wir mit vereinfachten Versionen der Welt bombardiert werden. Wir und sie, Schwarz und Weiß, Links und Rechts ... das sind Lügen, die sehr einfache Emotionen auslösen und uns von der Menge der Farbnuancen ablenken sollen. Ich denke, wenn Menschen ein breiteres Gefühlsspektrum fühlen, indem sie nach Komplexität in ihrer Erfahrung suchen, kann dies zu toleranteren und einfühlsameren Menschen führen.

9. Was ist Dein bisher bestes Lied?

Das kann ich wirklich nicht beantworten. Es geht auf die vorherige Frage mit einer vereinfachten Sicht auf die Dinge zurück. Es gibt kein Bestes und kein Schlimmstes… es gibt nur ein Werk, das miteinander verbunden ist.

10. Woran arbeitest Du gerade? Was kommt als nächstes?

Im Moment bewerbe ich mein neues Album "Anagnorisis". In vielen verschiedenen Ländern gibt es viel Arbeit, die meine ganze Zeit in Anspruch nimmt. Danach würde ich sehr gerne wieder auf Tour gehen, wenn es die Situation erlaubt. Das ist so weit voraus, wie ich denken kann.

Diskografie Asaf Avidan:

2008: The Reckoning (Asaf Avidan & the Mojos)

2009: Poor Boy/Lucky Man (Asaf Avidan & the Mojos)

2010: Through the Gale (Asaf Avidan & the Mojos)

2012: Avidan in a Box – Live Acoustic Recordings (Asaf Avidan, Downloadalbum)

2012: Different Pulses (Asaf Avidan)

2015: Gold Shadow (Asaf Avidan)

2017: The Study on Falling (Asaf Avidan)

2018: In A Box II (Asaf Avidan, Downloadalbum)

2020: Anagnorisis (Asaf Avidan)

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Letzte Änderung: 13.05.2021